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Forenübersicht » Sorgenkind Hund » "Studium" ja oder nein?

"Studium" ja oder nein?

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  • Montag, 31. 01. 2011 um 10:25:38
    85 Beiträge
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    ungeprüftes Mitglied
    Bild von schnuff
    schnuff
    Jake
    männlich
    Hallo liebe Schnuppernasen,

    ich brauche mal Eure Meinungen und/oder Erfahrungen. Ich habe mich in den letzten Wochen sehr intensiv mit dem Thema "Studium" der Tierpsychologie auseinander gesetzt. Es ist so: Ich werde erstmal in meinem alten Beruf nicht mehr arbeiten können und daher will ich mir eine Alternative - sozusagen als zweites Standbein - suchen. Da ich momentan hier in Spanien schon als Hundetrainerin arbeite, und mir das auch sehr großen Spaß macht, überlege ich bei der ATN den Studiengang Tierpsychologie zu belegen. Allerdings gibt es dabei ein paar Punkte, die mich etwas stören. Die Ausbildung ist laut ATN in Deutschland anerkannt, allerdings gibt es in Deutschland keinen anerkannten Beruf in dieser Richtung. Jedenfalls nur mit einem Hochschulstudium (Veterinärmedizin mit Schwerpunkt). Der Studiengang bei der ATN ist kein Hochschulstudium, sondern eine Ausbildung einer privaten Institution, die auch nicht gerade wenig kostet, ist das schonmal ein Punkt, den es zu überdenken gilt. Eine Präsenz-Uni kann ich nicht besuchen, da mein Spanisch dazu nicht ausreichen würde. Auf der anderen Seite ist es aber sicher sehr nützlich, wenn ich wieder nach Deutschland zurückkomme - eine fundierte Ausbildung und ein Diplom in der Tasche zu haben. Was meint Ihr? Lohnt sich diese Investition? Noch habe ich fast 2 Jahre Zeit, etwas auf die Beine zu stellen, da ich erst 2013 wieder nach Deutschland komme. Vielleicht hat jemand schon Erfahrung mit der ATN gemacht, oder kennt noch eine Alternative?

    Viele Grüße,

    Euer Schnuff
    Spielen und Schmusen
  • Montag, 31. 01. 2011 um 11:37:25
    79 Beiträge
    Offline!
    ungeprüftes Mitglied
    Bild von MightyBright
    MightyBright
    Spike
    männlich
    Huhu,

    die Frage ist ja, wieviel musst du von Spanien aus erstmal für das Fernstudium investieren?...dann lohnt sich das wirklich, wenn du aus Spanien zurück hierher kommst?
    Was hätte dieser Abschluss dann in deinen Augen für einen Vorteil für deinen "Hundetrainer-Nebenjob" den du dann hier weiter ausführen würdest? Einfach eine Art Qualifikations-Nachweis, mitunter auch für das Vertrauen deiner "Kunden"? Dann musst du ja auch berechnen...du hast für diesen Abschluss investiert = KOsten. Die Kosten willst du durch deine Leistungen ja auch wieder abgedeckt haben, dann musst du berechnen, wieviel würdest du für eine Stunde privat oder Gruppe oder wie auch immer, nehmen wollen, und sind diese berechneten Preise dann gerechtfertigt bzw real und und und
    Ich denke aktuell ist es auch nicht leicht, sich als Hundetrainer durchzusetzen bzw zu behaupten, die sprießen ja teilweise echt aus allen Ecken aus dem Boden, darunter leider viele selbsternannte....
    Hm ist schwierig, aber vielleicht auch für mich noch nicht so gut nachzuvollziehen, weil ich mich bisher noch nicht damit beschäftigt habe wie das für "normale" Hundetrainer ohne Studium aussieht, bzgl Fortbildungen und Co, wie das dort mit den Finanzen ist.
    Privatclown und Model Wink
  • Montag, 31. 01. 2011 um 12:46:12
    85 Beiträge
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    ungeprüftes Mitglied
    Bild von schnuff
    schnuff
    Jake
    männlich
    Hi MightyBright,

    danke für Deine Meinung. Es ist richtig, diese Ausbildung würde mich erstmal eine Menge Geld kosten. Aber ich verfolge in Deutschland gerade eine sehr breit gefächerte Diskussion darüber, dass zwar die Zahl der Hundehalter steigt, das Angebot an qualifizierten Trainern aber doch sehr rar ist. Aktuell arbeite ich hier mit einer international operierenden und auch qualifizierten Trainerin zusammen, von der ich viel lerne, was die Praxis angeht. Ich habe auch einen sog. "Problemhund", mit dem ich seit zwei Monaten arbeite. Allerdings bringt gerade dieser Hund mich immer wieder an meine eigenen Grenzen. Sie steht mir zwar immer mit Rat und Tat zur Seite, aber ich möchte schon gern selbst wissen, warum ich was und wie mache. Für mich wäre es einfach unverantwortlich, mit einem Hund-Mensch-Team auf eigene Faust zu arbeiten, obwohl ich eigentlich gar nicht weiß, was ich tue. (Wie beispielsweise diese "selbsternannten Hundetrainer", von denen Du schreibst). Ich will natürlich niemandem unterstellen, er wisse nicht, was er mache, aber ich habe schon viele "Erziehungsmethoden" (nicht nur in Spanien, auch in Deutschland) erlebt, die ich als sehr fragwürdig empfinde. Und genau hier liegt m.E. das Problem: Man kann zwar über Methoden streiten, aber eine Alternative muss eben gut begründet sein. Und wer ein fachlich fundiertes Wissen zusätzlich zu der praktischen Erfahrung bieten kann und eben auch über Ursachen für Probleme und Herausforderungen Bescheid weiß, der hat wohl in diesem Job mehr Aussichten auf Erfolg. Diese Trainerin hat eine ähnliche Ausbildung in den USA gemacht. Sie kann mir zwar erklären, warum und weshalb nun dieses oder jenes Vorgehen am günstigsten ist. Aber sie kann mich nunmal nicht so ausbilden, dass ich von mir selbst sagen kann: "Jawohl, dieses Problem erkenne ich, die Ursachen dafür sind folgende und wir packen es folgendermaßen an". Das sind momentan meine Gedankengänge und Beweggründe...aber vielleicht mache ich mir da auch viel zu viele Gedanken...?
    Spielen und Schmusen
  • Dienstag, 01. 02. 2011 um 09:30:56
    167 Beiträge
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    ungeprüftes Mitglied
    Bild von lillebie
    lillebie
    questa in memorium
    weiblich
    ich glaube wirklich, daß du dir zuviele gedanken machst. seit 18 jahren versuche ich menschen zu helfen, die ihren hund ausbilden, erziehen wollen, bzw. irgendwelche probleme mit ihm haben.
    ich habe diverse lehrgänge besucht und etliche seminare.
    natürlich bekommt man auch mit, was in anderen hundeschulen so läuft. und manchmal packt einen da das grausen. obwohl alle möglichen ausbildungen absolviert wurden, habe ich manchmal das gefühl, das die trainer überhaupt keine ahnung haben. da werden halbjährige tiere eine stunde ohne jede pause im gehorsam "trainiert", retriever sollen nicht apportieren, weil " sie damit vor den anderen hunden angeben wollen" , lebhafte tiere zu übermäßiger ruhe gezwungen, "um sie nicht noch mehr aufzuputschen", etc.
    ich will dir sagen, was dir weiterhilft: erfahrung im umgang mit möglichst vielen unterschiedlichen hunden mit tausend verschiedenen problemen.
    als ich anfing, mensch und hund weiterzuhelfen, gab es den begriff des hundetrainers, wie er heute zu verstehen ist, noch gar nicht.
    mühselig habe ich mir alles erarbeitet, unmengen an fachliteratur verschlungen und vor allen dingen praktische erfahrung gesammelt. die kannst du nicht aus büchern lernen.
    du mußt auch fähig sein, hunde nüchtern zu sehen, was vielen sehr schwer fällt.
    die meisten probleme sind von den besitzern hausgemacht. um erfolg zu haben, mußt du fähig sein, sie wirklich dazu zu bringen, verhaltensänderungen bei sich selber durchzuführen, was so manchem nicht leicht fällt.
    tierphsychologie stehe ich sehr skeptisch gegenüber. für mich gibt es kein schema f, nach dem man gehen könnte und das man erlernen kann. Auf jeden neuen schüler mußt du dich neu einstellen, bei dem einen hilft etwas, bei dem anderen mit dem selben problem nicht.
    weitergeholfen haben mir letztendlich nur die unmengen an erfahrung, die ich sammeln durfte, die vielen, vielen hunde, die meine geduldigen lehrmeister waren, mein wohl gottgegebenes verständnis für diese tierart und mein interesse daran.
    und glaub mir, sogar nach dieser langen zeit lerne ich noch ständig durch kamerad hund dazu.
    Kein studium wird dir ermöglichen, probleme so mir nix, dir nix zu lösen.
    deshalb wirst du sie zwar erkennen können, aber vielleicht trotz ausbildung für viel geld nicht lösen.
    ich kann nicht die hunde der ganzen welt retten, aber die ganze welt eines hundes
  • Dienstag, 01. 02. 2011 um 13:36:27
    85 Beiträge
    Offline!
    ungeprüftes Mitglied
    Bild von schnuff
    schnuff
    Jake
    männlich
    Hallo Lillebie,

    das ist eine schöne Anregung - vielen Dank! Ich denke auch, dass man das meiste durch Erfahrung lernt. Natürlich gibt es kein "Schema F", das wird sich sicher auch niemand anmaßen zu behaupten, alle Hunde wären gleich. Ich sehe das ja hier jeden Tag. Klar, viele meinen, dass sie ja jetzt einen Trainer haben und *schwups* der Hund auf einmal wie durch Knopfdruck ein Benjy, Lassi oder weiß der Geier was ist. Und die Spanier sind da sicher für mich die besten Lehrmeister, denn sie sind ungeduldig, unerfahren und hängen fest in ihren Verhaltensmustern. Hier werden die Hunde z.B. in der Regel draußen gehalten. Hat man eine Wohnung, wird der Hund eben dort "geparkt". Jeder Hund darf mit jedem Hund spielen, Regeln gibt es nicht. Und da wundern sich die Leute, wenn die Tiere sich gegenseitig beißen, wenn sie sich nicht riechen können, oder aber auf nimmer Wiedersehen wegrennen. Oder einem sehr großen, agilen und starken Hund mal eben ein Stachelhalsband umhängen und dann trotzdem schimpfend und hechelnd am anderen Ende der Leine rumstolpern... Am Anfang hat es mich da echt gegraust. Aber mittlerweile bin auch ich verständnisvoller und geduldiger geworden, denn sie kennen es ja nicht anders und müssen erst einmal lernen, dass der Umgang mit einem Hund eben auch Arbeit und Verantwortung bedeutet. Und da das bei den meisten hier nicht gegeben ist, kann es auch schonmal sein, dass Leute auf mich zukommen, die einen Hund haben, der alles und jeden erstmal ankläfft, anspringt und beißen will, der ihm in die Quere kommt. Was willst du denen dann sagen? Alles wird gut, wenn man nur Geduld und Verständnis für den Hund hat? Viele haben hier große Rüden, das ist hier sowas wie ein Status-Symbol für Leute, die sich keinen spanischen Hengst halten können. (Das ist allerdings ein anderes Thema, wenn auch nicht weniger traurig und unverständlich). Je mehr diese Viehcher den Max machen, je mehr Show und Theater, umso besser. Da wird sich also ein Hund zugelegt, der äußerlich gut was hermacht. Ob das nun die richtige Rasse für einen ist oder nicht, ist ja erstmal egal, man kann ihn ja immer noch als ultima ratio an die Leitplanke binden. Hund wird also scharf gemacht, denn er hat ja meistens noch den Job, das Haus zu bewachen. Es geht jemand am Tor vorbei, Hund bellt sich die Kehle aus dem Leib, springt immer und immer wieder gegen das Tor und wehe, wenn das mal auf ist! Ob das da Draußen nun zwei oder vier Beine hat, ist egal. Drauf! (Der hat übrigens meinen Hund einmal ziemlich übel zugerichtet. Er war an der Leine, aber leider nicht zu halten. Da blieb mir nur eins: Meinen Hund von der Leine nehmen und beten.) Kein Einzelbeispiel. Dann aber die Erkenntnis: Au Backe, der ist mir jetzt doch ne Spur zu heftig drauf. "Hallo, Trainerin? - Ich hab da ein Problem...."

    Was ich damit sagen will: Klar kannst du Erfahrungen sammeln, wenn man learning by doing macht. Aber ich hänge einfach an meinem Leben und an meiner Gesundheit und will nicht gerade mein Können an diesen Viehchern ausprobieren, rumdocktern und womöglich nachher noch mehr versauen als ohnehin schon versaut worden ist. Ich glaube aber, wenn man weiß, wie sich bestimmte Bedingungen auf die Psyche eines Tieres (ob Hund, Katze, Pferd oder Huhn) auswirken und mal ganz von vorne anfängt, alles über ein Tier zu lernen, dann geht man selbst doch schon etwas anders an die Sache ran. Und bestimmt auch sicherer. Und das kann man dann den Besitzern erklären und so vieles Begründen.

    Es muss ja sicher nicht gleich ein ganzes Studium sein, da gebe ich dir Recht. Vielleicht kannst du mir mal ein paar Adressen geben, wo man solche Seminare belegen kann? Das wäre doch zumindest mal ein Anfang... (gern auch per PN)

    Wie ist das eigentlich mittlerweile in Deutschland? Wie qualifiziert sind Betreiber von Hundeschulen wirklich? Und woran macht man das fest? Sicher, ich bin auch dagegen, jemandem mein Vertrauen zu schenken, der zwar theoretisch alles drauf hat, aber praktisch so gut wie keine Erfahrung hat...

    Ihr seht, ich denke sehr viel über diese Themen nach...vielleicht ist das aber auch gut so, weil ich ständig meine eigene Arbeit auf den Prüfstand stelle und überlege, wie man was verbessern könnte...schließlich arbeite ich nicht mit Steinen und Zement, sondern mit lebenden, denkenden und fühlenden Lebewesen... Smile

    Liebe Grüße,

    Schnuff
    Spielen und Schmusen
  • Mittwoch, 25. 01. 2012 um 08:35:16
    5 Beiträge
    Offline!
    ungeprüftes Mitglied
    Bild von micha34
    micha34
    weiblich
    Ich finde es interessant eure Erfahrungen hier zu lesen, ich bin ja selbst nur eine private Hundehalterin und weiß auch nichts von Tierpsychologie... halte es aber für wichtig, dass Mensch und Tier von der Chemie her zusammenpassen und auch gemeinsam zu einem Hundetrainer gehen auch um sich besser verstehen zu lernen. Man kann ja nicht alles wissen und verstehen was der Hund so denkt und wie man mit welcher Reaktion umgehen kann. Ich glaube vor allem seit diesen Hundetrainingsfernsehserien, die man mittlerweile oft sieht, ist das ein Beruf geworden, den viele gerne hätten. Ich denke, dass nicht jeder dazu geeignet ist. Aber ich würde ja sagen, dass du es machen solltest, wenn es dir Spaß machst und du deine Zukunft in diesem Bereich siehst. Für meinen Traumjob bin ich sogar umgezogen. In Bremen wohnen ist gar nicht mal so schlecht, und ich denke man muss daher einfach ein Risiko eingehen, auch wenn man sich nicht 100%ig sicher ist. Aber während des Studiums wirst du sicher schnell bemerken ob es passt oder nicht.
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