Hallo Lillebie,
das ist eine schöne Anregung - vielen Dank! Ich denke auch, dass man das meiste durch Erfahrung lernt. Natürlich gibt es kein "Schema F", das wird sich sicher auch niemand anmaßen zu behaupten, alle Hunde wären gleich. Ich sehe das ja hier jeden Tag. Klar, viele meinen, dass sie ja jetzt einen Trainer haben und *schwups* der Hund auf einmal wie durch Knopfdruck ein Benjy, Lassi oder weiß der Geier was ist. Und die Spanier sind da sicher für mich die besten Lehrmeister, denn sie sind ungeduldig, unerfahren und hängen fest in ihren Verhaltensmustern. Hier werden die Hunde z.B. in der Regel draußen gehalten. Hat man eine Wohnung, wird der Hund eben dort "geparkt". Jeder Hund darf mit jedem Hund spielen, Regeln gibt es nicht. Und da wundern sich die Leute, wenn die Tiere sich gegenseitig beißen, wenn sie sich nicht riechen können, oder aber auf nimmer Wiedersehen wegrennen. Oder einem sehr großen, agilen und starken Hund mal eben ein Stachelhalsband umhängen und dann trotzdem schimpfend und hechelnd am anderen Ende der Leine rumstolpern... Am Anfang hat es mich da echt gegraust. Aber mittlerweile bin auch ich verständnisvoller und geduldiger geworden, denn sie kennen es ja nicht anders und müssen erst einmal lernen, dass der Umgang mit einem Hund eben auch Arbeit und Verantwortung bedeutet. Und da das bei den meisten hier nicht gegeben ist, kann es auch schonmal sein, dass Leute auf mich zukommen, die einen Hund haben, der alles und jeden erstmal ankläfft, anspringt und beißen will, der ihm in die Quere kommt. Was willst du denen dann sagen? Alles wird gut, wenn man nur Geduld und Verständnis für den Hund hat? Viele haben hier große Rüden, das ist hier sowas wie ein Status-Symbol für Leute, die sich keinen spanischen Hengst halten können. (Das ist allerdings ein anderes Thema, wenn auch nicht weniger traurig und unverständlich). Je mehr diese Viehcher den Max machen, je mehr Show und Theater, umso besser. Da wird sich also ein Hund zugelegt, der äußerlich gut was hermacht. Ob das nun die richtige Rasse für einen ist oder nicht, ist ja erstmal egal, man kann ihn ja immer noch als ultima ratio an die Leitplanke binden. Hund wird also scharf gemacht, denn er hat ja meistens noch den Job, das Haus zu bewachen. Es geht jemand am Tor vorbei, Hund bellt sich die Kehle aus dem Leib, springt immer und immer wieder gegen das Tor und wehe, wenn das mal auf ist! Ob das da Draußen nun zwei oder vier Beine hat, ist egal. Drauf! (Der hat übrigens meinen Hund einmal ziemlich übel zugerichtet. Er war an der Leine, aber leider nicht zu halten. Da blieb mir nur eins: Meinen Hund von der Leine nehmen und beten.) Kein Einzelbeispiel. Dann aber die Erkenntnis: Au Backe, der ist mir jetzt doch ne Spur zu heftig drauf. "Hallo, Trainerin? - Ich hab da ein Problem...."
Was ich damit sagen will: Klar kannst du Erfahrungen sammeln, wenn man learning by doing macht. Aber ich hänge einfach an meinem Leben und an meiner Gesundheit und will nicht gerade mein Können an diesen Viehchern ausprobieren, rumdocktern und womöglich nachher noch mehr versauen als ohnehin schon versaut worden ist. Ich glaube aber, wenn man weiß, wie sich bestimmte Bedingungen auf die Psyche eines Tieres (ob Hund, Katze, Pferd oder Huhn) auswirken und mal ganz von vorne anfängt, alles über ein Tier zu lernen, dann geht man selbst doch schon etwas anders an die Sache ran. Und bestimmt auch sicherer. Und das kann man dann den Besitzern erklären und so vieles Begründen.
Es muss ja sicher nicht gleich ein ganzes Studium sein, da gebe ich dir Recht. Vielleicht kannst du mir mal ein paar Adressen geben, wo man solche Seminare belegen kann? Das wäre doch zumindest mal ein Anfang... (gern auch per PN)
Wie ist das eigentlich mittlerweile in Deutschland? Wie qualifiziert sind Betreiber von Hundeschulen wirklich? Und woran macht man das fest? Sicher, ich bin auch dagegen, jemandem mein Vertrauen zu schenken, der zwar theoretisch alles drauf hat, aber praktisch so gut wie keine Erfahrung hat...
Ihr seht, ich denke sehr viel über diese Themen nach...vielleicht ist das aber auch gut so, weil ich ständig meine eigene Arbeit auf den Prüfstand stelle und überlege, wie man was verbessern könnte...schließlich arbeite ich nicht mit Steinen und Zement, sondern mit lebenden, denkenden und fühlenden Lebewesen...
Liebe Grüße,
Schnuff